
Die Schweiz hat schon 2009 erkannt, dass eine integrierte Aufsicht grosse Synergien und Kostenersparnisse bringt und die Effektivität der Behörde, ihre Mandate zu erfüllen, stärkt. So hat der Bundesrat in seiner Botschaft zum Finanzmarktaufsichtsgesetz im Jahr 2006 festgestellt, dass die Schweiz, will sie sich im internationalen Umfeld behaupten können, eine starke und unabhängige Finanzmarktaufsicht braucht, welche in der Lage ist, ihre Fachkompetenz optimal nutzen zu können und daher eine Bündelung der Kräfte und des Wissens von Vorteil ist.
Die hohe Effizienz der FINMA basiert unter anderem auf einer konsistent skalierten Infrastruktur und IT, sowie auf einer integrierten Sicht über die Risiken des gesamten Finanzsystems, welche durch die Schaffung der Querschnittsfunktion "Integrierte Risikoexpertise" im April 2025 noch verbessert wurde. So ist die FINMA bis heute in der Lage, ihr breites Mandat mit – im Vergleich zu ausländischen Behörden – relativ bescheidenen Ressourcen auszuüben. Auch der IMF (Link zur Studie) konstatiert, dass die Ressourcen der FINMA im Hinblick auf das Mandat und die Grösse des Schweizer Finanzplatzes verhältnismässig schlank sind.
In den meisten anderen Jurisdiktionen ist die Finanzmarktaufsicht nicht in einer Behörde integriert und die Aufsichtsaktivitäten werden von bis zu vier separaten Behörden ausgeführt, welche meist einzeln schon grösser sind als die FINMA insgesamt.
Die FINMA arbeitet darauf hin, dass Finanzinstitute so resilient wie möglich gegen Stresseinflüsse an den Finanzmärkten aufgestellt sind und somit ein stabiles Finanzsystem und nachhaltiges Wachstum unterstützen können. Dies ist in allen Aufsichtsbereichen von entscheidender Bedeutung.
Die Risikolandschaft, die für den Schweizer Finanzmarkt relevant ist, akzentuierte sich in letzter Zeit deutlich. Die FINMA identifizierte im Risikomonitor 2025 neun Hauptrisiken für den Finanzmarkt. Vor allem die Risken in den Bereichen Cyber- und Informationstechnologie nehmen strukturell weiter zu. In den letzten Monaten haben zudem die geopolitischen Verwerfungen erneut an Bedeutung gewonnen (Krieg im Nahen Osten, fortwährende Zollstreit, etc.) und es bleibt abzuwarten, ob sich die sich entwickelnde Weltordnung durch mehr Risiken bzw. eine höhere Volatilität auszeichnet.
Resilienz gegen solche und andere Risiken ist für unsere beaufsichtigten Institute essenziell. Die Banken spielen durch die Fristentransformation, d.h. die Annahme von Einlagen (z.B. Spargeldern) und die Vergabe von Krediten, eine fundamentale Rolle in einer prosperierenden Volkswirtschaft. So kann es beispielsweise zu rapiden Abflüssen der Einlagen kommen, zu einem sogenannten "Bank Run", weil die Kunden das Vertrauen in die Bank (oder Gruppen von Banken) verlieren.
Ist eine Bank derart bedeutsam, dass ihr Ausfall die Schweizer Volkswirtschaft und das schweizerische Finanzsystem erheblich schädigen würde, ergeben sich systemische Risiken. Solche können auch entstehen, wenn der Abfluss der Einlagen mehrere kleinere oder mittelgrosse Institute aufs Mal trifft oder sich die Institute gegenseitig 'anstecken'. Es ist deshalb von grosser Bedeutung für den Wohlstand eines Landes, dass Banken möglichst gut geführt und eben auch beaufsichtig werden.
Neben den Banken ist auch ein funktionierender Kapitalmarkt essenziell für die wirtschaftliche Wohlfahrt eines Landes, d.h. Unternehmen müssen sich auf eine stabile und gut geführte Finanzmarktinfrastruktur verlassen können, wenn sie sich am Markt finanzieren wollen. In der Schweiz stellt dies die FINMA durch eine effektive Aufsicht über die Schweizer Börsen sicher.
Versicherungen sind der inhärenten Instabilität durch Fristentransformation von Einlagen nicht ausgesetzt, bieten aber andere kritische Dienstleistungen für die Volkswirtschaft, und wenn diese ausfallen sollten, kann dies ernsthafte Effekte auf Wachstum und Wohlstand haben.
Verwalter von Kollektivvermögen, d.h. von Anlagefonds oder Vorsorgeeinrichtungen, und Vermögensverwalter verwalten das Vermögen der Gesellschaft (inklusive Pensionskassen-Gelder), und deren Resilienz ist zentral für den Schutz der Anleger und der Prosperität unseres Landes.
Kunden trauen ihr Vermögen Banken, Versicherungen, Anlagefonds und Vermögensverwaltern an und bekommen wichtige Dienstleistungen, welche ihre finanziellen Freiräume und langfristige Sicherheit gewährleisten sollen.
Die FINMA muss dafür sorgen, dass Dienstleister qualifiziert sind, Kunden zu beraten, dass die Anlagefonds und deren Dokumentation den regulatorischen Anforderungen entsprechen, dass die Risiken von verschieden Finanzprodukten am point of sale erklärt werden, dass die Finanzdienstleister ihren Sorgfaltspflichten nachkommen und dass Interessenskonflikte offengelegt und adressiert sind.
Das Funktionieren und die Effizienz von Märkten, wie der Handel in Effekten, setzt voraus, dass Kunden sicher sein können, dass sie nicht betrogen und Preise nicht manipuliert werden.
Hier spielt die FINMA durch ihre Aufsichtsaktivitäten, direkt über Marktteilnehmer oder durch Aufsicht über Selbstregulierende Organisationen eine kritische Rolle zur Vertrauensbildung. Ohne solches Vertrauen in die Integrität der Schweizer Finanzmärkte, würden inländische und ausländische Firmen und Kunden ihre Transaktionen und Investitionen anderswo tätigen.
Der Schweizer Finanzplatz ist ein weltweit führender, grenzüberschreitender Vermögensverwaltungsstandort für Privatkundinnen und -kunden. Dadurch ist er gegenüber Geldwäschereirisiken besonders exponiert. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen und Konflikte bergen zusätzliches Potenzial für neue globale Geldflüsse, die einen Zugang zum sicheren Hafen von Schweizer Finanzinstituten suchen. Das Geldwäschereirisiko bleibt entsprechend hoch. Verletzungen von Sorgfalts- und Meldepflichten können für Finanzinstitute sowohl im Ausland als auch in der Schweiz rechtliche Konsequenzen und Reputationsschäden zur Folge haben. Dies kann auch den Ruf des Schweizer Finanzplatzes schädigen.