Die Vermittler-Symposien der FINMA 2026

Zweieinhalb Jahre nach Inkrafttreten des revidierten Versicherungsaufsichtsgesetzes und der revidierten Aufsichtsverordnung zog die FINMA an ihren Vermittler-Symposien in Bern und Lugano vor insgesamt über 1'300 Fachleuten aus der Branche Bilanz. Sie hielt positive Fortschritte beim Kundenschutz fest, machte aber auch deutlich, dass weiterhin Handlungsbedarf bei der Bekämpfung von Missständen besteht. 

Die Finanzmarktaufsicht FINMA führte am 17. Juni 2026 im Kursaal Bern und am 30. Juni 2026 im Centro Studi Villa Negroni in Lugano erstmals seit Inkrafttreten der revidierten Vermittlerregulierung ein umfassendes Vermittler-Symposium durch. Die Veranstaltungen stiessen auf grosses Interesse. Die Säle waren bis auf die letzten Plätze besetzt. Im Fokus standen Entwicklungen im Vermittlermarkt, Registrierungsthemen und erste Erfahrungen aus der neuen Aufsichtspraxis.

Den Anlass eröffnete FINMA-Direktor Stefan Walter mit einer Grussbotschaft. Er betonte den Kundenschutz als oberste Priorität der FINMA und zog eine positive Bilanz der verstärkten Aufsicht über die Versicherungsvermittlung. Die Qualität im Vertrieb habe sich verbessert, was wesentlich dem Engagement der Vermittlerinnen und Vermittler zu verdanken sei. Gleichzeitig unterstrich Walter, dass die FINMA auch künftig konsequent gegen Missbrauch vorgehen werde. Besonderes Gewicht legte er auf den «Point of Sale», wo sich zeige, ob Kundeninteressen wirksam geschützt werden. Der Dialog mit der Branche und präventive Massnahmen seien dabei zentrale Erfolgsfaktoren.


Anschliessend gab Markus Geissbühler, Abteilungsleiter KMU-Versicherung und Vermittler, einen Überblick über die Entwicklung der Vermittleraufsicht. Er blickte auf die Herausforderungen bei der Umsetzung der neuen Regulierung zurück und thematisierte unter anderem den Aufbau neuer Aufsichtsstrukturen, die hohe Zahl an Anfragen sowie den Umgang mit unerwartet vielen gemeldeten Missständen. Gleichzeitig zog er eine positive Zwischenbilanz: Die Aufsicht sei etabliert und die Zusammenarbeit mit der Branche habe sich bewährt.


Noémie Savaria, Leiterin Bewilligungen und Registrierung, präsentierte aktuelle Kennzahlen aus dem Vermittlerregister und informierte über den Stand der Arbeiten bei der Prüfung der Nachdokumentationen. Ebenfalls gab sie Einblicke in die Registrierungspraxis. Seit Anfang 2024 haben sich über 7'000 Vermittlerinnen und Vermittler neu registriert, während rund 3'000 Deregistrierungen verzeichnet wurden. Das Register umfasst heute knapp 12'000 Einträge. Die Zahlen verdeutlichten die hohe Dynamik und das grosse Mengengerüst im Vermittlermarkt.


Die kontinuierliche Aus- und Weiterbildung gilt als zentrale Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige Beratung und einen wirksamen Kundenschutz. In seinem Gastreferat informierte Roger Lüthi, Leiter Vermittler und Cicero beim VBV, über den Stand der Zulassungs- und Rezertifizierungsprüfungen. 2025 wurden 16'848 Prüfungen abgelegt, bei einer Bestehensquote von rund 75 Prozent. Bis Mitte Juni 2026 verzeichnete der VBV bereits 9'906 Prüfungen bei einer Erfolgsquote von rund 65 Prozent.


In seinem Referat zog Serge Selhofer, Leiter Aufsicht Versicherungsvermittler bei der FINMA, nach 30 Monaten Vermittleraufsicht eine erste Bilanz. Rund 2'250 Beschwerden und Hinweise führten zu über 320 Abklärungen. Die häufigsten Verstösse betrafen unerlaubte Tätigkeiten, missbräuchliches Verhalten am Point of Sale sowie Verletzungen der Registrierungspflicht. Mit mehr als 14'000 bearbeiteten E-Mails, über 1'200 Abklärungsschreiben sowie zahlreichen Aufsichtsgesprächen und Vor-Ort-Kontrollen zeigte er zudem den höher als erwarteten operativen Aufwand der neuen Aufsicht auf.


Der Leiter Rechtsdienst, Philipp Lüscher, erläuterte anschliessend, nach welchen Kriterien die FINMA die Unterstellung von Versicherungsvermittlerinnen und -vermittlern unter das Versicherungsaufsichtsgesetz beurteilt. Er zeigte auf, wie die FINMA auf dieser Basis die ungebundene von der gebundenen Vermittlertätigkeit unterscheidet, oder die nicht unterstellte Adressvermittlung von der Versicherungsvermittlung abgrenzt. Ein künftiges FINMA-Rundschreiben soll die Unterstellungspraxis verbindlich festhalten und zusätzliche Rechtssicherheit schaffen.


Zum Abschluss schlug Markus Geissbühler den Bogen von den regulatorischen Fortschritten zur praktischen Umsetzung des Kundenschutzes. Anhand konkreter Aufsichtserkenntnisse zeigte er auf, dass die FINMA seit der Gesetzesrevision über 1'000 unbewilligt tätige Vermittler identifiziert hat. Die festgestellten Missstände reichen von fehlenden Qualifikationen und unerlaubter Tätigkeit über Kaltakquise bis hin zu Falschberatungen und Betrugsfällen. Markus Geissbühler machte deutlich, dass solche Praktiken nicht nur Versicherte benachteiligen und schädigen, sondern auch erhebliche Kosten und Reputationsrisiken für die Branche verursachen. Umso wichtiger seien wirksame Kontrollen, eine konsequente Missbrauchsbekämpfung und eine Unternehmenskultur, die den Kundenschutz ins Zentrum stellt.

 

Markus Geissbühler Noémie Savaria Roger Lüthi
Serge Selhofer Philipp Lüscher Serkan Isik




Die FINMA legte grossen Wert darauf, die Symposien nicht nur als Informationsveranstaltungen, sondern auch als Plattform für den direkten Austausch mit der Branche zu gestalten. Deshalb konnten die Teilnehmenden während der Symposien über eine App laufend Fragen, Anmerkungen und Anliegen einreichen. Die gesammelten Beiträge wurden zum Abschluss der Veranstaltung von Vertreterinnen und Vertretern der FINMA aufgegriffen und beantwortet. So bot das Symposium nicht nur fachliche Informationen, sondern auch Raum für den direkten Austausch mit der Aufsicht.

Ausblick

Die Referate zeigten deutlich: Mit der Einführung der neuen Vermittleraufsicht wurden wichtige Fortschritte erzielt. Gleichzeitig bleibt die weitere Stärkung des Kundenschutzes eine gemeinsame Aufgabe von Registrierung, Aufsicht, Enforcement, Versicherungsunternehmen sowie Vermittlerinnen und Vermittlern. Die FINMA appellierte an alle Marktteilnehmenden, den Fokus konsequent auf kundenorientierte Beratung, qualitativ hochwertige Produkte und nachhaltige Kundenbeziehungen zu legen. Nur wenn alle Beteiligten Verantwortung für Missbrauchsprävention und Kundenschutz übernehmen, können Integrität und Attraktivität des Versicherungsstandorts Schweiz langfristig gesichert werden.


Präsentation Vermittlersymposium

17 Juni 2026

Zuletzt geändert: 30.06.2026 Grösse: 3.09  MB
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