Prüfwesen bei Finanzmarktinfrastrukturen

Mit dem Inkrafttreten des FinfraG per 1. Januar 2016 und der damit verbundenen Neu- und Wiederbewilligungen wurde hinsichtlich der Prüfung dieser Institute eine einheitliche, in das bisherige FINMA-Prüfwesen integrierte Praxis geschaffen. Bei der aufsichtsrechtlichen Prüfung übernehmen die Prüfgesellschaften als verlängerter Arm der FINMA eine zentrale Rolle.

Grundsätzlich obliegt die Aufsicht über die Finanzmarktinfrastrukturen der FINMA. Das Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinfraG) sieht jedoch vor, dass systemisch bedeutsame Finanzmarktinfrastrukturen zudem der Überwachung durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) unterliegen. Um Überschneidungen in der Aufsichtspraxis zu vermeiden, haben die FINMA und die SNB die Zuständigkeiten geregelt. Einerseits tauschen sich die beiden Behörden untereinander aus, andererseits müssen sowohl der SNB wie auch der FINMA wesentliche Dokumente der Prüfgesellschaft (Risikoanalyse, Prüfstrategie und Berichterstattung) gleichzeitig zugestellt werden. So verfügen beide Behörden über gleichwertige Informationen für eine angemessene Aufsicht und Überwachung.

Risikoanalyse und Prüfstrategie

Spätestens vier Monate nach dem Jahresabschluss nehmen die Prüfgesellschaften eine ausführliche und unabhängige Einschätzung der Risikolage der Beaufsichtigten vor und übermitteln diese der FINMA mit einem Standardformular. Bei systemisch bedeutsamen Finanzmarktinfrastrukturen wird zusätzlich die SNB berücksichtigt. Die Risikoanalyse deckt sämtliche Prüfgebiete ab und hat zum Ziel, aus einer Kombination der verschiedenen Risikofaktoren das Nettorisiko zu bestimmen. Sie bildet die Basis für die Entwicklung der Prüfstrategie. Diese bestimmt, mit welcher Prüftiefe und -periodizität die einzelnen Prüfgebiete beim Beaufsichtigten zu prüfen sind.

Das FinfraG kennt verschiedene Bewilligungstypen (Handelsplätze, zentrale Gegenparteien, Zentralverwahrer, Transaktionsregister und Zahlungssysteme). Damit nicht für jeden einzelnen Bewilligungstypen ein separater Anhang erstellt werden muss, kann sowohl in der Risikoanalyse wie auch in der Prüfstrategie der zutreffende Bewilligungstyp ausgewählt werden. So werden nur die für den jeweiligen Typ relevanten Prüfgebiete angezeigt. Viele Prüfgebiete gelten für mehrere Bewilligungstypen. Für systemisch bedeutsame Finanzmarktinfrastrukturen erfolgte die Erarbeitung der beiden Standardformulare in Absprache zwischen der FINMA und der SNB.

Berichterstattung

Im standardisierten Bericht zur aufsichtsrechtlichen Prüfung für Finanzmarktinfrastrukturen teilen die Prüfgesellschaften die Ergebnisse der Prüfung der FINMA und, bei systemisch bedeutsamen Finanzmarktinfrastrukturen, ebenfalls der SNB mit. Der Bericht enthält einerseits Angaben zum Ablauf der Prüfung, eine Unabhängigkeitserklärung der Prüfgesellschaft sowie weitere Informationen zur Entwicklung der Geschäftstätigkeit und Organisation des betroffenen Instituts. Andererseits finden sich im Bericht Stellungnahmen der Prüfgesellschaft zu jedem einzelnen Prüfgebiet. Komplettiert wird der Bericht durch ausführliche Kommentare zu allen festgestellten Unregelmässigkeiten oder zu den Verbesserungsempfehlungen.

Prüfbeauftragter

Unter besonderen Umständen kann die FINMA einen Prüfbeauftragten einsetzen. Dafür kommen zugelassene Prüfgesellschaften oder unabhängige Dritte in Frage, die über entsprechende Erfahrung und Fachkenntnisse verfügen.

Dokumente

2013/03 FINMA-Rundschreiben "Prüfwesen" (06.12.2012)

Prüfwesen

Zuletzt geändert: 18.11.2016 Grösse: 0,4  MB
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Anhänge zum Rundschreiben Prüfwesen

2013/03 FINMA-Rundschreiben – Anhang 16

Risikoanalyse Finanzmarkinfrastrukturen

Zuletzt geändert: 20.02.2017 Grösse: 0,08  MB
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2013/03 FINMA-Rundschreiben – Anhang 17

Darstellung der Prüfstrategie Finanzmarkinfrastrukturen

Zuletzt geändert: 20.02.2017 Grösse: 0,17  MB
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Wegleitung zum Rundschreiben Prüfwesen

Wegleitung

Für Prüfgesellschaften von Finanzmarktinfrastrukturen

Zuletzt geändert: 20.02.2017 Grösse: 0,31  MB
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Wechsel der Prüfgesellschaft