Eckpunkte
An der Konferenz Technological Frontiers in Finance in Paris, die von der Autorité des Marchés Financiers (AMF) und der Association Europe Finances Régulations (AEFR) ausgerichtet wurde, führte FINMA-Präsidentin Marlene Amstad einen Impulsdialog mit Tuhin Kanta Pandey, dem Vorsitzenden des Securities and Exchange Board of India, und Tuang Lee Lim, dem Assistant Managing Director der Monetary Authority of Singapore und Vorsitzendem der IOSCO Fintech Task Force. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Künstliche Intelligenz (KI) und ihre Auswirkungen auf den Finanzmarkt. Marlene Amstad zeigte Entwicklungen im Schweizer Finanzmarkt auf, stellte die Resultate der IOSCO-Umfrage zum Einsatz von Supervisory Technology (SupTech) vor und erklärte, wie die FINMA KI in der Aufsicht einsetzt und wie KI die Finanzstabilität beeinflussen könnte.
KI spielt zunehmend eine wichtige Rolle darin, wie Finanzinstitute ihre Tätigkeit ausüben und wie Aufsichtsbehörden die Märkte beaufsichtigen. Die Schweiz als weltweit eines der führenden Zentren für Vermögensverwaltung und für Rückversicherung spürt diesen Wandel besonders. Drei Kernbotschaften kristallisierten sich aus Marlene Amstads Ausführungen heraus:
a) Einsatz von KI im Schweizer Finanzmarkt: Die FINMA hat in drei Umfragen rund 400 bewilligte Finanzinstitute (Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter) zum Einsatz von KI befragt. Die Umfrage ergab, dass ein erheblicher Teil der Institute bereits KI einsetzt oder erste Anwendungen in Entwicklung hat. Der Wandel ist sehr dynamisch: Auf eine Anwendung im Einsatz kommen zwei in Entwicklung. Die Institute setzen KI für Aufgaben wie Prozessoptimierung oder Textgenerierung ein, und verwenden generative Chatbots. Die meisten setzen auf externe Anbieter – ein Trend, der bei kleineren Instituten besonders markant ist. Dies wirft Fragen zu Outsourcing-Risiken und operationellen Risiken auf. Governance-Frameworks werden weiterentwickelt. So hat etwa die Hälfte der Institute eine konkrete KI-Strategie ausgearbeitet, in denen insbesondere die Themen Datenschutz, Cybersicherheit, Datenqualität und Enterprise Risk Management aufgegriffen werden.
b) KI als Treiber von SupTech: Die weltweite IOSCO-Umfrage zum Einsatz von SupTech, die unter der Leitung der FINMA durchgeführt und an der IOSCO-Jahrestagung im Mai 2025 vorgestellt wurde, zeigt: Aufsichtsbehörden gehen vom experimentellen zum operativen Einsatz von Technologie über. KI ist die ein zentrales Instrument, das den Einsatz von SupTech vorantreibt, gefolgt von Cloud-Lösungen und verbessertem Datenzugriff. Erhöhung von Effizienz und Schnelligkeit sind die wichtigsten Treiber von SupTech, während Cybersicherheit, operative Resilienz und Abhängigkeiten von Drittparteien die grössten Bedenken auslösen. SupTech wird stark bei der Marktüberwachung und für den Anlegerschutz eingesetzt und es wird angestrebt auch zunehmend für die Überwachung von Digital Assets zu nutzen.
c) KI und Finanzstabilität: Internationale Standardisierungsgremien haben vier entscheidende Risiken der KI in Bezug auf Finanzdienstleistungen ausgemacht: Abhängigkeiten von Drittparteien und Konzentrationsrisiken, Marktkorrelationen, Cyber-Bedrohungen, und Modellrisiko, Datenqualität und Governance. Diese Risiken sind an sich keineswegs neu, KI kann jedoch ihre Auswirkungen verstärken. Ein technologieneutrales und proportionales Aufsichtskonzept könnte dazu beitragen, diesen Herausforderungen zu begegnen.
Die Erkenntnisse, die bei der Umfrage in der Schweiz und bei der unter den IOSCO-Mitgliedern gewonnen wurden, und die Initiativen der FINMA zeigen ein klares Bild: KI wird die Finanzmärkte potenziell verändern, zu einer Umgestaltung der Aufsichtspraxis führen und damit auch neue Aufmerksamkeit auf Resilienz und Vertrauen richten. Die FINMA wird sich weiter für die internationale Zusammenarbeit zu SupTech einsetzen.