Beteiligung der Gläubiger an der Bankenrettung

Zu den möglichen Massnahmen, die zur Sanierung eines Finanzinstituts in Schieflage beitragen, gehört der sogenannte Bail-in. Mit diesem Instrument erhält die FINMA die Befugnis, die Forderungen von nicht abgesicherten Gläubigern eines ausfallenden Instituts abzuschreiben und Forderungen in Eigenkapital umzuwandeln.

Gerät eine systemrelevante Schweizer Bank in finanzielle Schieflage, werden in einem ersten Schritt Stabilisierungsmassnahmen (Recovery) ergriffen. Dabei kann die Bank beispielsweise auf die Ausschüttung von Dividenden verzichten oder einzelne Geschäftsbereiche verkaufen. Reichen diese Massnahmen nicht aus, kommt der sogenannte Bail-in zum Tragen. Dabei ordnet die FINMA die zwangsweise Wandlung von Fremd- in Eigenkapital oder eine Forderungsreduktion auf oberster Gruppenebene an.

Gläubiger müssen zur Rettung beitragen

Bail-in bedeutet, dass Gläubiger bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten ihres Finanzinstituts an der Problemlösung beteiligt werden. Dies im Unterschied zum Bail-out, der Kostenübernahme durch Staat und Steuerzahler. Die Beteiligung der Anleihensgläubiger an der Bankenrettung ist ein eigentlicher Paradigmenwechsel und der Schlüssel, um die implizite Staatsgarantie zu beseitigen.

Die Gläubiger sollen – wie im Konkurs – für die Verluste des Instituts haften. Der Bail-in greift, wenn das Überleben der Bank nicht mehr gewährleistet ist, spätestens aber wenn die Eigenkapitalquote unter fünf Prozent fällt. Grundsätzlich unterliegen – mit wenigen Ausnahmen – sämtliche Forderungen gegenüber Banken dem Regime der zwangsweisen Wandlung von Fremd- in Eigenkapital oder dem zwangsweise angeordneten Forderungsverzicht. Bei der Forderungsumwandlung muss die Gläubigerhierarchie gewahrt werden und es darf keine Gläubigerkategorie am Ende weniger erhalten als im Konkursfall. Vom Bail-in ausgenommen sind gesicherte, privilegierte und verrechenbare Forderungen. Die privilegierten Bankeinlagen bis zu 100‘000 Schweizer Franken unterliegen also nicht dem Bail-in.

Coco-Bonds

Eine Variante des Bail-in sind sogenannte Coco-Bonds. (Contingent Convertible Bonds). Solche Pflichtwandelanleihen sind in der Schweiz speziell zur Eindämmung der Too-big-to-fail-Problematik lanciert worden. Schuldner und Gläubiger regeln dabei vertraglich, wie im Krisenfall die Forderungen verfallen bzw. in Eigenkapital umgewandelt werden. Somit wird der Fremdkapitalgeber zum haftenden Aktionär.