Längerfristige Trends und Risiken: Klimarisiken

Die FINMA hat auch Risiken identifiziert, die den Finanzplatz Schweiz auf längere Frist nachhaltig beeinflussen könnten. Dazu gehören Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel, die nachfolgend ausführlicher beleuchtet werden. Zu den weiteren langfristigen Risiken gehören die Überalterung der Gesellschaft, der aufgrund weitreichender Datensammlungen gläserne Versicherungsnehmer sowie Risiken für die Vermögensverwaltung in einem Markt mit sinkenden Bewertungen von Finanzinstrumenten.

Das Klimaübereinkommen von Paris hält fest, dass der Finanzbranche im Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft eine Rolle zukommt. Zum einen ist dies mit Chancen für die Finanzinstitute verbunden, zum anderen bergen der Klimawandel und dessen Auswirkungen für Finanzinstitute potenziell auch ­finanzielle Risiken.

Das Augenmerk der FINMA gilt aufgrund ihres gesetzlichen Mandats den finanzbezogenen Klima­risiken für die Finanzinstitute. Diese Risiken können in zwei Kategorien eingeteilt werden: physische Risiken und Transitionsrisiken. Physische Risiken betreffen die drohende Zunahme von Schäden und Kosten für die Wirtschaft aufgrund von klimabedingten Naturkatastrophen und graduellen Veränderungen des Klimas. Solche Risiken können bedeutende Verluste für (Rück-)Versicherungsunternehmen mit sich bringen. Transitionsrisiken entstehen aufgrund eingreifender Massnahmen in der Klimapolitik oder aufgrund disruptiver technologischer Durchbrüche. Diese könnten rasche, von den Märkten bislang nicht ausreichend berücksichtigte Preisanpassungen von Vermögenswerten auslösen, beispielsweise in kohlenstoffintensiven Sektoren wie Energie, Industrie oder Transport. Je später wirksame Massnahmen zum Erreichen der Klimaziele ergriffen werden, desto eingreifender müssten solche Massnahmen ausfallen. Es ist nicht auszuschliessen, dass die Märkte die beschriebenen Risiken spät, dann aber mit starken Anpassungen einpreisen würden. Entsprechende Verluste können beispielsweise über die Anlagen (Aktivseite der Bilanz) von Banken, Vermögensverwaltern und Versicherungen auf deren Profitabilität einwirken. Klimarisiken weisen besondere Charakteristika auf, so beispielsweise längere Zeithorizonte, unklare Wirkungspfade wie auch verschiedene unbestimmte Variablen im Bereich der Klimapolitik. Dies stellt die angemessene Bewirtschaftung der Anlagen mit gängigen Instrumenten vor Herausforderungen. Finanzinstitute und Aufsichtsbehörden arbeiten dementsprechend auch auf internationaler Ebene daran, Klimarisiken stärker in die Risikomanagementprozesse zu integrieren und geeignete Ansätze und Instrumente zur Messung und Minderung der Risiken zu entwickeln und einzusetzen sowie die transparente Offenlegung der entsprechenden Risiken sicherzustellen. Dabei spielt unter Aufsichtsbehörden und Zentralbanken das Network for Greening the Financial System (NGFS) eine führende Rolle.

Künftig wird die FINMA ihre Analysen von klima­bezogenen Risiken in den Bilanzen von Finanzinstituten verfeinern und Ansätze für eine verbesserte freiwillige oder regulierte Offenlegung von finanziellen Klimarisiken entwickeln.

(Aus dem Risikomonitor 2019)

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